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Ausstellung in der Kunsthalle Brennabor Brandenburg/Havel 29.8.-10.10.2008

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Rede von Dr. Angelika Euchner, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Berlin
in der Kunsthalle Brennabor/ Brandenburg an der Havel
29. August 2008

Freunde der Kunst und Lebenskünstler, liebe Kopf- und Schattenfüßler!

Die Werke des 1944 geborenen Künstlers sind so narrativ - jedes Gemälde für sich erzählt eine unendliche Geschichte - dass der Betrachter etwas Kostbares mitbringen muss: Zeit, seine Zeit, um sich auf die überwältigende figurative Bildsprache und die vielschichtigen Themen einzulassen.

"Im Lande der Schattenfüßler", 2008
(in der Ausstellung, hinterster Raum, links)
Kennen Sie Schattenfüßler? Sie entstammen der "Cosmographia" des Gelehrten Sebastian Münster (1488-1552).
Er gab seine kuriose Weltbeschreibung erstmals 1544 heraus, wobei das umfangreiche Werk ältere Reiseberichte und -erzählungen zahlreicher Entdecker aufnahm (1). Dabei konnte Münster nicht überprüfen, ob es sich um reale Aufzeichnungen handelte oder eher um Fantasiegeschichten.
Über die Schattenfüßler heißt es: "Wenn sie die Sonne mit großer Hitze quält, legen sie sich auf den Rücken und beschatten sich selbst mit ihrem Fuß." Diese Wesen haben nur einen einzigen Fuß, doch der ist dafür riesig. Dietmar Buchmann lässt seine Schattenfüßler sich auf einer Mülldeponie sonnen. Er verkörpert hier den Massentourist, der sich ahnungslos vergnügt, während im Urlaubsparadies Müllberge wachsen. Die Ghettoisierung der Touristen, die den Alltag außerhalb ihres Ferienresorts nicht erleben, wird von Buchmann sarkastisch kommentiert. (2)

Durchaus zwei Seiten veranschaulicht dabei die Mülldeponie: Nicht nur "Wohlstandsdreck", sondern auch Lebensgrundlage für Menschen der sogenannten "Dritten Welt", die den Abfall trennen, Metall weiterverkaufen, wiederverwerten. (ein aktuelles Beispiel: Batterien werden von Kindern in Dhaka / Bangladesch zerlegt in Plastikringe, Blech, Kohlestifte und Zink. Danach wird Zink eingeschmolzen und wiederverwertet (Geo Juli 2007).

Buchmanns künstlerische Vorgehensweise lässt sich hier gut erkennen. Die Fotografie eines Müllberges wird als Malfolie benutzt, der Schattenfüßler mit Acrylfarben aufgemalt.

Thematisch mit dem Schattenfüßler verwandt ist das nächste Gemälde:
"Aus Freude über die Mega-Altkleider-Spende", 2008
nach Henri Matisse, Acryl auf Fotogrund

Hier benutzt Buchmann von Henri Matisse "Der Tanz" (erste Fassung von 1909) als Vorbild für das Freudenritual auf dem Kleiderhaufen.
Wir wissen heute, dass unsere großzügigen Kleiderspenden in die sog. "Dritte Welt" dort eher wirtschaftliche Probleme nach sich ziehen. Unser "Angebot" bedeutet Konkurrenz für die heimische Textilindustrie/-produktion.
Buchmann benutzt gern Motive aus der Kunstgeschichte. Neben Matisse und De Chirico zitiert er Dürer in seinem Bild "Ritter, Tod und Teufel" oder den französischen Maler Géricault: "Das Floß der Medusa", 2008 nach Géricaults Gemälde von 1819.
Zum Verständnis sei erwähnt: 1816 wurde die Fregatte "Medusa" von den Franzosen in den Senegal geschickt. Beim Schiffbruch standen nur 6 Rettungsboote zu Verfügung. Das schnell aus den Teilen der "Medusa" zusammen gezimmerte Floß von 8 x 15 m sollte 149 Menschen aufnehmen. Ein Rettungsboot sollte dann das Floß an Land ziehen. Doch man entschloss sich kurzerhand, die Seile zu lösen und überließ die Schiffbrüchigen ihrem Schicksal, wobei nur 15 Menschen gerettet werden konnten.

Die Medusa, eine Gestalt aus der griechischen Mythologie, ist eine von den drei Gorgonen, die den Feind bei ihrem Anblick versteinerte. Nach ihr wurde die Fregatte benannt.
Bei Buchmann sind es auch Schiffbrüchige oder vielleicht Abenteuerreisende, die einer riesigen Woge ausgesetzt sind. Die grünliche Fleischfarbe suggeriert eher Tod und Verwesung als Urlaubsspass.

Ist die Rettung auf das Floß die Folge der "Strandparty" oder das Ende der "Arche Noack"? So sind zwei weitere Gemälde in der Ausstellung betitelt.
Zum Floß der Medusa gehört übrigens das kleinformatige Bild "Jonas", 2005. Ein Taucher (mit Schwimmflossen und Taucherbrille) verschwindet in einem riesigen Fischmaul und karikiert die biblische Geschichte.

"Madonna war hier", 2008
Afrika. Eine Afrikanerin geht ungerührt ihrer Alltagsarbeit nach. Ein Konzert von Madonna hinterlässt kaum Spuren. Nur ein kleines Foto der amerikanischen Popikone ist auf die Bretterbude geklebt, mit ihrem unverkennbaren Büstier von Jean-Paul Gaultier. Kunstkenner entdecken hier einen Einfluss von George Grosz aquarelliertem "Akt" von 1919. Bei ihm wird auch ein kleines Foto - eine entblößte Frau - neben einem Fassadenausschnitt aufgeklebt.

"Fahneneid 02", 2002
(mit Ahnen in den Wolken) Während der Fahneneid vollzogen wird und die an Otto Dix erinnernden Figuren dümmlich dreinschauen, hält hinten links eine Frau ihren kleinen Sohn im Arm. Er trägt die Gesichtszüge von Adolf Hitler, der makabrerweise den Segensgestus ausführt. (Jede Sekunde kann auf der Welt ein neuer Jesus oder ein neuer Hitler geboren werden).

"Der Junge mit dem Reifen", 2006
Ganz naiv mit seinem Reifen beschäftigt, hat Buchmann einen Jungen gemalt, der vor Schutthalden spielt. Schutthalden??? Bei genauer Betrachtung entpuppen sich die aufgeschichteten Dinge als Schädel, Schuhe und Kleider. Der Künstler verarbeitet hier Erinnerungen an das 3.Reich und den Krieg. Arglos spielend bekommt das Kind die Katastrophen und das Schicksal von Millionen Kriegsopfern und jüdischer Menschen nicht mit. Der berühmte Film "Nacht und Nebel" von Alain Resnais hat Pate gestanden.

Buchmanns Bilderwelt offenbart uns seine gesellschaftskritische Grundhaltung. Kriege, Gewaltszenen und Katastrophen wie auch in "Kassandra", 2003 werden schonungslos und direkt geschildert. Das große Vorbild eines George Grosz schimmert immer wieder durch. Menschen mit ihren stereotypen Glatzköpfen und Wohlstandsbäuchen finden sich im Oeuvre von beiden. Doch im Gegensatz zu Grosz'schem Malstil, der den Großstadtmenschen in all seiner Hässlichkeit festhielt, zeichnet sich Buchmanns künstlerische Umsetzung als moderater aus. Die kugeligen Menschen, manchmal frontal wie auf einem Bühnenbild angeordnet, wirken naiv und phlegmatisch. Buchmanns Figuren bewirken eher Sympathie als Ablehnung beim Betrachten.

Sein "Magischer Realismus" und seine apokalyptische Vision kulminieren in dem Triptychon.
"Tarot: Zerstörung", 1992
Das dreiteilige Werk mit dem brennenden Turm verweist auf die Zerstörung der Twin Towers am 11. September 2001, ist aber 10 Jahre vorher entstanden. Es ist dem Motiv der Tarotkarte "Der Turm" entlehnt. Der Turm warnt vor Größenwahn und mangelnder Standhaftigkeit: Stelle Deinen Glauben, Deine Einsichten über Deinen Vorteil. Baue auf feste Grundlagen wie Wahrheitsliebe, Gerechtigkeit, Menschlichkeit.

"Der schwarze Block", 2008
(48 Bildsegmente à 30 x 40 cm) Der schwarze Block mit seinen 48 Köpfen irritiert den Betrachter. In dunklem Elfenbeinschwarz sind Täter und Opfer nebeneinander gereiht. Die Anonymität hat sie gleichgeschaltet.

Neben den schon genannten künstlerischen Vorbildern, die Buchmanns Werk mitprägen, sind es Figuren der griechischen Mythologie.

"Ariadne", 2006
Die Tochter des kretischen Königs Minos hält Theseus mit dem roten Faden fest. Er ist als Boxerheld mit roten Handschuhen versehen. Der rote Faden soll ihm helfen, sich im Labyrinth von Knossos zu recht zufinden. Seine Aufgabe: den Minotaurus töten. Wie das Mischwesen Minotaurus entstanden ist, deutet das Gemälde "Pasiphae", 2006 an. Die Mutter von Ariadne und Gattin des Minos, Pasiphae entwickelt eine leidenschaftliche, unnatürliche Liebe zu einem weißen Stier. Sie ist verkleidet mit einem Kuhfell. Der Stier wurde ursprünglich von Poseidon dem König Minos geschenkt, der ihn opfern sollte. Er aber schont das Tier und bringt es zu seiner Herde. Poseidon ist wütend und lässt deshalb Pasiphae in Liebe zu diesem Stier entbrennen. Minotaurus wird geboren, in halb Stier- und halb Menschengestalt. Ihm müssen Menschen geopfert werden.

Auch die ägyptische Mythologie kommt zur Sprache:
"Nut und Schinkel", 2005
Das Zauberflötenpanorama nach dem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel, mit rhythmisch geordneten Sternenbahnen im Himmelsgewölbe der Königin der Nacht bezauberte die Theaterbesucher schon bei der ersten Aufführung am 18. 1. 1816 im Nationaltheater Berlins. Dietmar Buchmann fügt anstelle der marienhaften Himmelskönigin die ägyptische Göttin Nut ein, Mutter des Sonnengottes Re. Sie ist die Personifikation des Himmelsgewölbes. Gemäß ägyptischer Vorstellung ist sie die Frau, die sich über die Erde beugt und mit Händen und Füßen den westlichen und östlichen Horizont berührt. Sie ist Herrin der Gestirne, die alle ihre Kinder sind und von denen es heißt: sie gehen ein in ihren Mund und kommen wieder aus ihrem Schoß.

Nicht nur die großformatigen Arbeiten sind in der Ausstellung vertreten, sondern auch eine Reihe von Zeichnungen, welche auf kleinstem Format, teilweise als Fotocollage angelegt, die Buchmann'schen Themen wiederholen: Groteske Situationen, mythologische Gestalten mit Gegenwartsbezug, entlarvende Übertreibungen und der Widersinn einer auf "Dauer-Fun" abonnierten Freizeitgesellschaft, die dem Totentanz erlegen ist, da das Ende naht. Dies umreißt Dietmar Buchmanns eigene "Cosmographia".

Der Ausstellungstitel weist zu guter Letzt auf:
"Hallo hören sie mich", 2008
Wird hier wirklich kommuniziert? Oder hört jeder nur die Mailbox seines Handys ab? Und bewegt sich geradezu "sozialautistisch" und vereinsamt in einer großen Menschenmenge? Der Betrachter findet sich hier wieder oder erinnert sich, wie er selbst mit einem Callcenter verbunden wird. Ist der Dialekt der Stimme schwäbisch, dann ist er mit Sicherheit in Bangalore gelandet. Von dort erhält er Auskunft über einen Telefonanschluß in seiner Nähe und hängt erneut in der Dauerwarteschleife. Doch von Bangalore geht es zurück nach Brandenburg, Kunsthalle Brennabor, zu Buchmann und seinen anregenden und aufregenden Bilder. Nicht virtuell, sondern "magisch real".

Anmerkungen
(1) Zu Sebastian Münster siehe Emanuel Eckardt, "Von einem der daheim blieb, die Welt zu entdecken" (Geo Ausgabe Dezember 2005) und Günther Wessel, gleicher Titel, Campus-Verlag, 2005. (2) Die Ghettoisierung betrifft nicht nur den Massentourist. Im August 2008 erschien in der FAZ ein kritischer Bericht über die Malediven, deren Hauptstadt Male zunehmend verslumt und das Alltagsleben von Drogenkonsum und -handel geprägt ist.

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Die Ausstellung Frauen - Figuren, Koren und Karyatiden zeigt Bilder und Graphiken von Dietmar Buchmann: Maler und Filmemacher von 60 Dokumentar- und Spielfilmen.

Die Hauptrollen in seinen unbeweglichen Bildern spielen: Ariadne, Kassandra, Nut, Ophelia, Pasiphae, Unbekannte, Namenlose. Im Drehbuch steht: das Vermächtnis alter Mythologien, der Flair ferner Kulturen, die surreal-realen Momente der Gegenwart. Die Kamera zeigt: Bedrohliches, Erotisches, Schönes, Ironisches, Komisches. Regie führt: ein loderndes Farbleuchten.
Wir sind mittendrin in der faszinierenden Bildwelt von Dietmar Buchmann, der in den 1960er Jahren in Berlin bei Hann Trier, dem bedeutendsten deutschen Vertreter des Abstrakten Expressionismus, studierte. Doch Dietmar Buchmanns Kunst - das sei gleich vorweg gesagt - ist eine tief inhalierte Ode an die Gegenständlichkeit. Er huldigt dem Abbild, der Figur, der Frau - thematisches Zentrum dieser Ausstellung.

Die Frauen Dietmar Buchmanns sind meist eingebunden in eine Szenerie, in eine Landschaft oder Architektur: Nut, ägyptische Göttin des Himmels und des Todes, schwebt als Königin der Nacht durch die magischen Himmelsprospekte, die Karl Friedrich Schinkel für Mozarts 1816 aufgeführte Zauberflöte schuf. Ariadne, ursprünglich wohl eine Naturgöttin Kretas und der ägäischen Inseln, sitzt vor den angedeuteten Mauern des kretischen Labyrinths. Sie hält das magische Knäuel in den Händen, mit dem sie Theseus den Ausweg aus dem Labyrinth finden lässt. Die leichenblasse Ophelia schwimmt, wie in Shakespeares Hamlet, tot im Fluss. Und - unter apokalyptischem Himmelsrot - verkündet die erschreckte Seherin Kassandra einer im Flammenmeer verglühenden Menschenmasse ihre Weissagungen: scheinbar vergeblich.

In diesen Bildern Dietmar Buchmanns geht es weder um die konkrete, individuelle Frau noch um ein differenziertes Programm von Weiblichkeit. Dies sind keine Porträts oder Psychogramme. Denn Buchmanns Frauen sind allgemeingültig, zeitlos, überindividuell. Sie erinnern an Ikonen, Archetypen, Prototypen. - Und sie entstammen vielleicht jener langen Tradition der ewigen, ursprünglichen, Kulturen übergreifenden Figurenbilder: quasi Fruchtbarkeitsgöttinnen im stetig changierendem Outfit. Inkarnationen Zeit unabhängiger Motive und Metaphern.

Dietmar Buchmann schafft vorrangig Themenbilder. Das Ergebnis ist eine kluge, assoziationsreiche Malerei, der Belanglosigkeit, Banalität, Oberflächlichkeit, gewollter Trendzwang fremd ist. Seine Kunst enthält Aussagen und Anliegen, auch Zeitkritisches - bisweilen verschlüsselt, rätselhaft, in mythologischer Verkleidung.

Dietmar Buchmann ist ein wachsamer, empfindsamer Künstler, offen für die Welt - und ihre Geschichten, die er immer wieder aufs Neue erzählt. Daher kann getrost die Schlussfolgerung gezogen werden: das eigentlich schöpferische Moment dieser Kunst liegt vor allem im Ikonographischen.

Dietmar Buchmann betreibt keine manisch-innovative Stilsuche. Er malt und zeichnet einfach - gegenständlich. Hierbei interessiert ihn, im weitesten Sinne vergleichbar mit archaischer Kunst, Ikonenmalerei, symbolistische Kunst, nicht die getreue Nachahmung des Sichtbaren und Alltäglichen. Seine Darstellungsform besticht durch Vereinfachung, Verallgemeinerung - kurzum: durch Stilisierung.

Dabei charakteristisch für viele seiner Werke: die Entstehung aus dem Umriss, aus der klar gezogenen und umgrenzenden Linie, aus der prägnanten Kontur. Diese Beherrschung der Linie dokumentieren auch seine unzähligen Zeichnungen, in denen oftmals karikierend-komische oder groteske Momente zum Vorschein gelangen.

Vielleicht ist es ja gerade diese Arbeit mit dem Umriss, die in Dietmar Buchmanns großformatigen Bildern jene seltsame, fast unwirkliche Klarheit erzeugt. Sie wird von der oftmals künstlichen, mysteriös weißen Beleuchtung sowie dem magisch opulenten Leuchtfeuer aus Farbe verstärkt. Dazu der meist frontal-dramatische Bildaufbau, der manchmal in einer prall gefüllten, immer aber wohl überlegten Inszenierung mit Staffage und Requisiten gipfelt. Träumerisch-grotesk-phantastisch-surreal ist der Gesamteindruck dieser Bilder. Und es wundert nicht, dass Dietmar Buchmann bisweilen als magischer Realist beschrieben wird.

Doch - und dies sei hier extra vermerkt - Dietmar Buchmann überzeugt auch in der reduzierten Komposition: seine Stelen, Koren und Karyatiden beeindrucken durch die Vereinzelung, durch die Konzentration auf Wesentliches - durch die signifikante Pointierung. So erzählen die Karyatiden allein durch die Positionierung der Arme von ihrem Leben als zum ewigen Tragen des Gebälks verurteilte Sklavinnen. Seine Stelen - von denen eine beispielsweise die Einladungskarte ziert - beeindrucken selbst noch in der Fragmentierung und Konzentration auf das dekorative Prinzip. Denn eben das kann der Künstler auch. Aber nun - schauen sie selbst.


Ausstellung in der Galerie am Neuen Palais Potsdam 05.03.- 10.04.2005

potsdamer-nachrichten maz-nachrichten

Ausstellung in der Galerie Wassermühle Prisser, Dannenberg 04.05.-5.6.2005

elbe-jeetzel

Ausstellung in der Galerie am Neuen Palais Potsdam vom 5.Juni - 3. Juli 1994

Verwandlung ist ihm Bewegung
Dietmar Buchmann stellt in der Galerie am Neuen Palais aus

Viele seiner Gestalten tragen Masken und verbergen sich hinter schwarzen oder gar goldenen Fassungen. Sie tanzen und balancieren in bunten Gewändern, auffallend schillernd die "Disco Queen" in ihrem Rhythmus. Andere können zaubern. Dann lassen sie den eigenen Kopf sich vom Körper trennen und dahinschweben. Oftmals geschehen derartige Ereignisse im städtischen Raum, bilden doch viele Häuserfassaden eine Kulisse, die sowohl Geborgenheit als auch Isolation bedeuten kann, wo der Einzelne untertaucht.

Der Künstler liebt die Verwandlung, sie bedeutet ihm Bewegung und lässt Prozesse vorstellbar werden. Oft greift er dabei auf bekannte Metaphern zurück, die in ihrem Sinngehalt genauso für heutige Spannungsfelder, Wirklichkeiten stehen können. Wie beim Minotaurus, der durchs Labyrinth gehetzt jegliche Orientierung verliert. So irrt er durch diese verfremdete Welt der verschlungenen Gänge, Schrecken und Trauer überkommen ihn, Befindlichkeiten, die ihn plötzlich menschenähnlich erscheinen lassen. Auf diese Weise werden vertraute Sinnbilder neu belebt, d.h. nach vielen Jahrtausenden mit Zeitgefühl ausgestattet.

Dietmar Buchmanns Malerei hat etwas vom Anspruch des sich bewegenden Bildes. Als Regisseur mit dem Filmschaffen vertraut, sucht er auch im bildnerischen Gestalten vor der Staffelei nach einer Form, die Prozesse im expressiven Sinn assoziieren kann. Farbe und Licht gewinnen in seiner Malerei große Bedeutung, weniger um Stimmungen zu beschreiben, eher, um Rhythmik zu erzeugen, Strukturen, die ihm eine aktive Bildsprache ermöglichen. Das wird deutlich in der Komposition "Krieg", einem großformatigen Motiv, wo viele Hände dominieren. Verschiedene kleinere Szenen sind ineinander montiert, brennende Häuser, fliehende Menschen vor einstürzenden Fassaden charakterisieren die Situation. Wie feingliederige Wesen umhüllen die Finger der Hand das Chaos, es scheint, sie wollen bewahren, beschützen, was bereits zum Sterben verurteilt ist. Entrückter und karger in den Mitteln wirken seine betont expressiven Kompositionen, darunter "Das Mädchen und der Tod" oder "Schwarzer Mond", reduziert in Form und Farbklang, und doch mit feinen Nuancen von Grauwerten ausgestattet, erreichen sie das Nachdenken des Betrachters. Der Künstler hat in Berlin an der Hochschule der Künste studiert und wurde besonders durch seine Spiel- und Dokumentarfilme bekannt. Film und Malerei durchdringen sich in seinem Werk, und in beiden werden Fragen der Zeit, vor allem Probleme in den zwischenmenschlichen Beziehungen berührt, und das in poetischen Formulierungen, die als Sinnbefunde für Realität stehen.
Wally Poltiniak

neues-palais

Gemeinschaftsausstellung in der Galerie Hellenthal 27.11.- 18.12.2008

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