Samstag 30. Mai 19°° Uhr
Filmwochende mit Bernd Fiedler
Kameramann, Autor, Regisseur und Produzent
Vorfilm:
MORGENSTIMME von Bernd Fiedler mit Tzvetan Marangosov
Hauptfilm:
ROCKER
Film von Klaus Lemke
Kamera Bernd Fiedler
85 min, s/w, 1972
Gerd wird gerade aus dem Gefängnis entlassen – auf Bewährung. Seine Bikerkumpels holen ihn im großen Tross ab, aber eigentlich hat Gerd die Schnauze voll vom „Leder“. Er will mit seiner Freundin Sonja raus aus Hamburg. Die hat sich allerdings schon einen Neuen angelacht, Ulli. Der Kleinganove versucht gerade mit seinem kleinen Bruder Mark einen gestohlenen Daimler zu verticken. Der Deal geht schief. Ulli kommt um. Betäubt vor Schmerz treibt Mark durch den Kiez – und trifft auf Gerd.
Klaus Lemkes beeindruckende Milieustudie schreibt 1972 Filmgeschichte. Mit grobschlächtigen Jargon lässt er seine Laiendarsteller durch den Hamburger Rotlichtbezirk pöbeln und irren. Bernd Fiedlers entfesselte Kamera unterstützt die authentische Schilderung von Rockern und Zuhälter, Huren und pubertierenden Jugendlichen.

Sonntag 31. Mai - 19°° Uhr
Vorfilm:
VIVE L’AMOUR von Bernd Fiedler
mit Christina Scholz und Rainer Bock
Hauptfilm:
DIE FRAU VON VORHIN
Film von Bernd Fiedler
90 min, Farbe, 2009
Harald handelt erfolgreich mit alten Schallplatten zumeist auf ländlichen Flohmärkten. Hier trifft er regelmäßig auf die hübsche Trödlerin Puppe. Die Beiden haben ein schönes entspanntes Flirt-Verhältnis. Harald kauft eines Tages von einer seltsamen Frau günstig wertvolle Schellack-Platten, die er an seinen besten Kunden Dr. Borchert weiterverkaufen will. Der ist jedoch gerade verstorben, wie dessen Frau dem überraschten Antiquar telefonisch mitteilt. Die Witwe bietet dem Händler zudem die Sammlung ihres Mannes mit zahlreichen wertvollen Raritäten zum Kauf an. Bei der tagelangen Sichtung des gewaltigen Archivs im Hause der attraktiven Ärztin Dr. Sandra Borchert aber verlagert sich das Interesse des Schallplatten-Experten. Mehr und mehr beschäftigt ihn die ältere, anmutige und charmante Frau. Auch Sandra öffnet sich zögernd dem Mann, der aber verunsichert ist von dem vagen Verdacht seiner Freundin Puppe, dass die Ärztin den Tod ihres Mannes beeinflusst haben könnte.
Der Filmemacher Bernd Fiedler ist an beiden Tagen anwesend.

Samstag 6. Juni 19°° Uhr
Abend der Gaukler
Film von Ingmar Bergman
93 min, s/w, 1953
Der Zirkusdirektor Albert Johannson kommt mit seinem heruntergekommenen Wanderzirkus und seiner Geliebten, der Kunstreiterin Anne, zum ersten Mal wieder in seine Heimatstadt, in der er vor Jahren seine Frau mit zwei Söhnen zurückgelassen hat. Er sehnt sich nach einem normalen Leben. Das ewige Umherziehen, der Spott und die Demütigungen, mit denen die bürgerliche Welt den verarmten Artisten begegnet, sind ihm mittlerweile zuwider. Als Albert versucht seine Frau zurück zu gewinnen, wird Anne eifersüchtig. Sie versucht auszubrechen, schließt sich einer Theatergruppe an und lässt sich von dem Schauspieler Frans verführen, merkt aber schnell, dass die Sache aussichtslos ist. Und auch Alberts Frau lehnt es ab, ihm noch eine Chance zu geben. Desillusioniert und zutiefst gedemütigt treffen Albert und Anne für immer aneinander gebunden wieder im Zirkus zusammen.
Als Thema des Films nannte Bergman „Erotik und Demütigung in wechselnden Kombinationen“. Mit „Abend der Gaukler“ fand er die erste internationale Anerkennung

Sonntag 7. Juni. 19°°Uhr
Akrobat schö-ö-ö-n
Film von Wolfgang Staudte
85 min, s/w, 1943
Charlie Rivel
Dem ebenso begabten wie bescheidenen Grotesk-Akrobaten Charlie geht aber auch alles schief. Hungernd haust er in einer armseligen Dachkammer. Die Tänzerin Monika, seine Schülerin, will helfen und ihn ins berühmte Varieté 'Tabarin' vermitteln. Durch ein Missverständnis wird Charlie dort nur als einfacher Bühnenarbeiter engagiert. Monika erlebt inzwischen ihren Aufstieg und verliebt sich in ihren Partner, den eitlen Orlando. Heimlich übt Charlie zusammen mit der kleinen Artistin Bibiana allnächtlich seine neue Nummer ein. Da fällt bei der glanzvollen Premiere des neuen Varieté-Programms eine Nummer aus. Die beiden erhalten ihre große Chance. Der Auftritt macht Charlie weltberühmt.
Das Regiedebüt von Wolfgang Staudte ist ein gut gemachtes Grotesk-Lustspiel um den Akrobatik-Clown Charlie Rivel aus einer weltbekannten alten spanischen Artistenfamilie.
Staudte blickte nach 1945 im Kino auch auf die deutsche Schuld. Er galt – neben Helmut Käutner – als einziger deutscher Nachkriegsregisseur von Rang, der fernab von Heimatfilm und Geschichtsverdrängung auf ein kontinuierliches künstlerisches Filmschaffen zurückblicken konnte. Filme wie „Die Mörder sind unter uns“ und „ Rosen für den Staatsanwalt“ standen für politisch engagiertes Kino ebenso wie für professionelles Handwerk, für Filmkunst und gute Unterhaltung mit gesellschaftlichem Anspruch.

Samstag 13. Juni 19°° Uhr
F R E A K S
Film von Tod Browning
64 min, s/w, 1932
Der kleinwüchsige Hans ist Mitglied der Sideshow beim Zirkus der Madam Tetrallini, in der Menschen mit extremen Missbildungen zur Schau gestellt werden. Er ist mit der ebenfalls kleinwüchsigen Frieda verlobt, verliebt er sich aber in die Trapezkünstlerin Cleopatra. Die geht zum Schein auf seine Avancen ein, macht sich aber hinter seinem Rücken über ihn lustig. Als Cleopatra erfährt, dass er durch ein Erbe vermögend geworden ist, bietet sie ihm die Heirat an. Ihr Plan ist, zusammen mit ihrem Geliebten, dem Muskelmann Herkules, Hans zu vergiften, um so an sein Geld zu kommen. Die Solidargemeinschaft der „Freaks“ entdeckt den Komplott und nimmt grausame Rache an den „Normalos“.
Der Regisseur Browning lebte selbst mehrere Jahre im Zirkus. Er war es gewohnt, mit Menschen zu arbeiten, die nicht der Norm entsprachen. Er wollte mit dem Film Verständnis für extrem missgestaltete Menschen wecken, erreichte aber leider oftmals das Gegenteil.
„Freaks“ gilt mittlerweile als Klassiker des „Horror“-Genres und als (leider oft verkanntes) Meisterwerk. Als Mahnmal für Toleranz gegenüber Andersartigen, die als Sympathieträger auftreten, hat der Film Seltenheitswert.

Sonntag 14. Juni 19°° Uhr
Buffalo Bill und die Indianer
Film von Robert Altman
123 min, Farbe, 1976
Amerika 1880 : William F. Cody besser bekannt als Buffalo Bill, ist der unangefochtene Löwe des amerikanischen Show-Business. Er engagiert den legendären Sioux-Häuptling Sitting Bull für seine Wild West Show, um mit ihm General Custers letzte Schlacht am Little Bighorn nachzustellen, die vier Jahre vor der Show-Premiere stattfand. Cody, der selber nicht dabei war, will dem damals gefallenen General Custer ein Denkmal setzen. Doch Sitting Bull, der als Anführer der Indianer an der Schlacht teilnahm, ist nicht gekommen, um einen Narren aus sich machen zu lassen. Anstatt General Custer als heldenhaften Gewinner darzustellen, wie von Buffalo Bill beabsichtigt, rückt der Häuptling die historischen Ereignisse ins richtige Licht.
„Buffalo Bill und die Indianer“ wurde bei der Berlinale 1976 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet
„Altman geht wie schon in Nashville mit Zynismus, Intelligenz und Bosheit daran, den ‚amerikanischen Traum‘ so gründlich zu demontieren wie kein Regisseur zuvor: Der legendäre Wildwestheld Buffalo Bill (Paul Newman), Mr. Amerika in Person, entpuppt sich als hohle Showbusiness-Erfindung, seine Vergangenheit als ein Sammelsurium aus dreisten Lügen und feigem Selbstbetrug. Im Gegenzug rehabilitiert Altman die ‚wahren‘ Amerikaner, die Indianer, personifiziert in der ungewöhnlichen Figur des Sioux-Häuptlings Sitting Bull. Die Zeit

Samstag 20. Juni 19°°Uhr
Vier Stunden von Elbe 1
Film von und mit Helga Feddersen
Regie Eberhard Fechner
105 min, s/w, 1968
„Vier Stunden von Elbe1“ wurde auf dem Schleusengelände und im Seemannsfrauenheim von Brunsbüttelkoog gedreht. Hier, am südlichen Eingang des Nord-Ostsee-Kanals, warten die Angetrauten von Schiffsleuten darauf, einige Minuten mit ihren durchreisenden Männern verbringen zu können.
„Buffalo Bill und die Indianer“ wurde bei der Berlinale 1976 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet
Das deutsche Fernsehpublikum kennt Helga Feddersen als „Ulknudel“, vorwiegend aus Sketchen, die sie mit Didi Hallervorden besonders bis in die achtziger Jahre drehte: „Die Wanne ist voll“ war ihr Beitrag zum Genre des Albernen - und sie glänzte auch in diesem Fach. Viel weniger bekannt ist, dass die 1930 geborene Hamburgerin als seriöse Schauspielerin (u.a. in „Stahlnetz“-Folgen) und als Drehbuchautorin prominent wurde. Als Autorin von TV-Filmen wie „4 Stunden von Elbe 1“, „Im Fahrwasser“, „Sparks in Neu-Grönland“, „Bismarck von hinten“ oder „Wir schließen nie“ ist sie eine wahre Chronistin ihrer Zeit mit einem untrüglichen Gespür für das alltägliche Leben der sog, kleinen Leute.
Der Hamburger Jan Feddersen, der als Journalist und Publizist in Berlin lebt, führt in den Film ein und blättert Facetten des bewegten Lebens der 1990 verstorbenen Künstlerin auf. Er ist nicht mit Helga Feddersen verwandt.

Permanente Ausstellung im Atelierhaus:
Margarete Petersen
Dietmar Buchmann
Besichtigung nach telefonischer Vereinbarung
05883-9897359
GEÖFFNET saisonal
von Mai bis September
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ATELIERHAUS LICHTENBERG


